Paris jacquaire – Jakobsweg durch Paris

Karte Pariser Jakobsweg-Innenstadt

Im Mittelalter war Paris ein wichtiger Zwischenstopp auf dem Pilgerweg nach Compostela für Pilger aus Nordeuropa.
Muscheln, Statuen, Buntglasfenster: So finden wir die Hinweise, um  die Spuren durch die Stadt zu folgen.
“Stell dir einen Pilger vor, der im 14. Jahrhundert aus Deutschland kam und nach Santiago de Compostela ging.”
Bist du bereit, ihm zu folgen, wenn er Paris überquert?
Mangels Zeit nehmen wir uns ‘die kurze Innenstadt’ Etappe durch Paris.

Start ist am Ausgang der Metrostation Étienne-Marcel.

Ausser Handy mit Navi-App habe ich einige wertvolle Dokumente dabei.
Ein kurzbeschreibung der Baudenkmäler für unterwegs, einen Credencial um eventuelle Stempel zu sammeln und meine Paris Tagesfahrkarte für den Notfall ;-). Die Begeisterung mitten durch eine Großstadt mit viele kleine und große Sehenswürdigkeit ist natürlich auch groß.

Tagesfahrkarte: Metro-RER-Bus

 

 

Ein Ort, um die Füße der Pilger zu heilen.
Aus einer mittelalterlichen Karte von Paris entnehmen wir den Startpunkt.
Haben diesen Ausgangsort bewusst gewählt weil hier das Schloß von Philippe II. Auguste, damaliger König von Frankreich, stand.
Unser Pilger, der durch die Porte Saint-Denis gekommen ist, bereitet sich daher auf den Eintritt in die Stadt vor.

Und wonach wird er suchen wenn er die Stadt betritt, wenn nicht einen Ort an dem er seine wunden Füße heilen und sich ausruhen kann?
Genauer gesagt, die Rue du Cygne, eine Plakette zeigt den Standort des Hospital Saint-Jacques-aux-Pèlerins (Pilgerherberge) an, das 1319 von der Bruderschaft Jacquaire in Paris gegründet wurde.

 

 

Damals wie auch heute hatte der Pilger einen Credencial dabei (wie auch immer dieser ausschaute) um in den Herbergen entlang des Weges aufgenommen zu werden.

Weiter entlang der Rue Pierre-Lescot zieht es uns zu einem Fenstersturz  der mit Skulpturen verziert ist, der Bourdon (Pilgerstäbe), Kalebassen, Beutel und Muscheln darstellen.

An der Rue de la Grande-Truanderie – ein Name, der an gefälschte Pilger oder “Coquillards” erinnert – erreichen wir die Rue Saint-Denis, eine Hauptachse des alten Paris, die einst von religiösen Gebäuden gesäumt war.

Jahrhundertelang war die Rue St-Denis der Ort der Pracht der Monarchie. Sie hat sie zuletzt am 6. Juni 1824 anlässlich des Eintritts von Karl X. erlebt. 
Im Laufe des 19. Jahrhunderts war von nun an der Volkszorn der Hauptfaktor.
Am 18. Juli 1827, als ein mögliches kurfürstliches Leben der Liberaúx angekündigt wurde, erwachte die Straße mit Lagerfeuern und Knallkörper zum Leben, die schnell in Aufständen und Barrikaden endeten. Die Unterdrückung dauerte bis zum 21. Dezember. Drei Jahre später führte die Verkündung der Verordnungen zur Revolution von 1830 und die Straße wurde mit Barrikaden blockiert. Die Kämpfe dort waren bis Ende Juli blutig. 
1832 brachen Unruhen erneut aus, gefolgt von der Cholera-Epidemie im April und der Beerdigung von General Lamarque im Juni. Die gleichen Unruhen mir Barrikaden im Jahre 1848. 
Vom 2. bis 4. Dezember 1851 protestierte das Volk gegen den Staatsstreich von Louis-Napoléon Bonaparte und Victor Hugo schrieb: "Die gesamte Rue St-Denis hatte das veränderte Aussehen, dass alle geschlossenen Türen und Fenster und alle Häuser draußen einer Straße gaben. Das Betrachten von Häusern ist der Tod, das Betrachten der Straße ist ein Sturm". 
Erst im November 1918 erlangte die Straße wieder eine echte festliche Atmosphäre.

Die Kirche Saint-Leu-Saint-Gilles, die einzige die erhalten geblieben ist,  eines der Höhepunkte unserer Pilgerung.

Das einzige Überbleibsel der acht religiösen Sehenswürdigkeiten, die die Rue Saint-Denis kennzeichneten ist die Kirche Saint-Leu-Saint-Gilles. Die ältesten Teile stammen aus dem Jahr 1235. Teilweise wiederaufbau um 1320.
Es wurde 1611 umfassend überarbeitet und 1727 und 1780 um eine unterirdische Kapelle erweitert, die den Rittern des Heiligen Grabes vorbehalten war. Deren Kapelle, die sich im Bereich der Haunummer 60 dieser Straße befand,</em> <em>wurde um 1795 zerstört.
Die 1849 restaurierte Kirche verlor beim Durchbohren des Boulevards de Sebastopol die drei Kapellen ihrer Apsis </em><em>und Baltard flankierte sie dann mit einer Reihe von neuen Gebäuden die sie komplett verzerrte.

Das Kirchenportal ist geschlossen obwohl wir uns zu den Öffnungszeiten hier ankommen. An der Fassade wird gearbeitet, vielleicht ist deswegen das Tor verschlossen. Ein mehrfaches klingeln an der Sakristeitür bringt nicht den ersehnten Erfolg.
In dieser Kirche sollen drei Pilgerwunder zu endecken sein:
1. das elfenbeinfarbene Altarbild vom Friedhof der Heiligen Unschuldigen.
2. die Krypta, in der Reliquien der Heiligen Helena verehrt werden.
3. ein erstaunliches Glasfenster, in dem Jakobus sowohl die Attribute des Pilgers als auch die des Kriegers trägt (Matamoros).

Auf den Spuren von Nicolas Flamel

Über den Boulevard de Sébastopol kommen wir vor dem Portal der Kirche Saint-Merri – wo der Apostel auch Muscheln und Pilgerstab trägt. Eine bemerkenswerte Kirche sowohl aussen wie auch innen. Das Portal ist reich verziert und erinnert uns an El Portico de la Gloria in Santiago.

An der Nordseite des Kirchgebäudes ist ein Platz an dem der berühmte moderner Bau des Centre Pompidou angrenzt.

Der Weg verläuft über die Rue Saint Martin geradeaus zum Turm Saint-Jacques.

Der Turm von Saint Jacques
Der im 16. Jahrhundert im extravaganten gotischen Stil erbaute Turm ist ein Relikt aus der Vergangenheit der Kirche Saint-Jacques-de-la-Boucherie, deren Name sich auf die viele Metzgereien in ihre Nähe bezieht.
Zerstört während der Französischen Revolution, war es lange Zeit ein wichtiger Schritt für die Entwicklung von Pilger nach Santiago de Compostela. Die Statuen, die sich am Rande der vier Ecken, deren Originale 1523 von Rault hergestellt wurden, repräsentieren den Hl. Jakobus den Älteren und drei Tiere, die die Evangelisten symbolisieren: der Adler für den Hl. Johannes, der Ochse für den Hl. Lukas und der Löwe für Hl. Markus.
Eine Statue stellt Blaise Pascal (1623-1662) dar, der angeblich hier eine Reihe von physikalische Experimente machte. Ein Werk (1857) von Cavelier.
Im Jahre 1836 erwarb die Stadt Paris dieses Überbleibsel und Haussmann hat eine Grünfläche geschaffen, die von Napoleon II. eingeweiht wurde. Der Standort wurde nach 3 Jahren der Restaurierung 2009 wiedereröffnet. 
Der Garten wurde in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt und angepasst an das moderne Pariser Leben.

In diesem Bezirk liegt noch immer der Schatten von Nicolas Flamel, einem alchemistisch geprägten öffentlichen Schriftsteller des 14. Jahrhunderts, und seiner Dame Pernelle, der zwei Straßen ihren Namen verdanken. Es war dieser mysteriöse Pariser Bürger, der das nördliche Tor der Kirche Saint-Jacques-de-la-Boucherie finanzierte, von dem nur noch der Glockenturm übrig ist.
Als wir den Platz verlassen legen wir unsere Hand auf die in eine Säule gehauene Muschel. Wie ehrfürchtig wohl im 14.Jhd die Pilger vor dieser Kulisse wohl gestanden haben.

Werke, die durch den Weg gekennzeichnet sind
Vom mittelalterlichen Jacquaire Paris bis zu dem unserer Zeitgenossen gibt es nur einen Schritt. Oder besser gesagt, die Petit-Pont-Brücke zu überqueren um einen Hauch von Fantasie zu entdecken: Salvador Dalís Sonnenuhr , die den Kopf einer Frau darstellt…. und wie eine Jakobsmuschel aussieht!

 

 

Gegenüber steht die Kirche Saint-Séverin, wo wir den Apostel an einem Glasfenster begrüßen. Die Seitenschiffe sind offen und mit sehr viele bunte Glasfenster versehen. Das Tageslicht lässt sie glänzen un das inneren ein mytischen Licht zu verzaubern.

Saint Severin
Der einzige Überlebende des Massakers, das seine Onkel Childebert und Clotaire 524 verübten, der letzte Enkel von Clovis, Clodoald, der in einem Kloster aufgewachsene zukünftige Heilige Cloud, wurde zum Schüler des Einsiedlers Séverin. Eine Kapelle, die an der Stelle ihres Oratoriums errichtet wurde, wurde im 11. Jahrhundert zur Pfarrei: Die Glockenturm der heutige Kirche stammt aus dem 10. Jahrhundert sowie die ersten drei Buchten des Kirchenschiffs aus der zweite hälfte des 15. Jhd. für den restlichen teil der Kirche. Die Dekoration des Chores aus Marmorfurnier wurde 1684 dank der Spenden der Grand Dame, der ersten Cousine Ludwigs XV. begonnen.

Das prächtige Orgelbau stammt aus dem Jahr 1745 und wurde in der Turmspitze, nachdem dessen Gerüst fertig gestellt wurde eingebaut. Von 1487 bleibt nur eine sehr alte Glocke übrig: Macée, die 1412 geschmolzen wurde.

Dann geht es die Rue Saint Jacques weiter zum Cluny Museum, dem Ende des Besuchs denn der Klostertrakt hat wegen Umbau geschlossen . Schade für dieses mal. Aber ein erneuter Besuch des Pariser jakobsweges steht erneut an. Dann aber die gesamte Etappe von 16km.

Von hier aus ging unser mittelalterlicher Pilger die Rue Saint-Jacques hinauf in südlicher Richtung nach Compostela.

  • Die größte Statue des Apostels ist auf der Spitze des Turms der seinen Namen trägt. Gesehen und bestaunt.
  • Die kleinste eine Metallbearbeitung am Tor des Kloster Cluny. Leider nicht gesehen.

Aus einem Pilgerlied aus dem 15. Jahrhundert:
“In Santiago vergibt man Fehler und Sorgen. Möge Gott uns allen barmherzig sein! »

 

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Mehr Info zu mittelalterlichen Pilgern:
Das Wallfahrtsbuch des Hermannus Künig von Vach und die Pilgerreisen der Deutschen nach Santiago de Compostela

 

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